Wer sind eigentlich diese paar Jungs und Mädels da, die Fahnen schwenken, rumspringen und singen, obwohl zeitgleich Bundesliga-Konferenz läuft. Sky ist doch viel interessanter, die Stimmung ist cooler und besser und außerdem ist es auf dem Sofa schön warm.
So sieht es vielleicht in euren Köpfen aus. Wir hoffen, euch mit diesem Text ein bisschen aufklären zu können.

Schon früher war man stets auf den Dr. Karl Alslev-Platz gepilgert, jedoch nur um ein bisschen mit Kumpels zu schnacken, sich den Allerwertesten abzufrieren und eine Wurst zu essen. Als der 1. Schleswiger Sportverein von 1906 in der Saison 07/08 den Aufstieg in die neu gegründete Schleswig-Holstein-Liga schaffte, setzte sich bei einigen von uns
die Idee fest, unseren traditionsreichen Lokalverein zu supporten und selbst kreativ zu werden. So versuchten wir, Freunde und Kollegen zu überzeugen, bei diesem Projekt mitzumachen.

Viele weitere Jugendliche kamen dazu, einige verließen uns auch wieder, dennoch sind alle, die geblieben sind, nach wie vor von der Idee überzeugt, die anfangs nicht wirklich ernst zu nehmen war. Es begann mit den bekanntesten Stadionliedern und eher minderwertigem Material. Doch in diesen Punkten konnten wir uns weiterentwickeln. Viele neue Gesänge und eigene Texte fanden den Weg auf den Alslev und auch Zaunfahnen, Schwenker und Doppelhalter verbesserten sich stetig. Ein besonderes Highlight war es, als die Mannschaft als Dankeschön für die Saison zuerst mit uns das letzte Saisonspiel der C-Jugend und danach das Aufstiegsspiel der 2. Mannschaft supportete. Einfach ein geiles Gefühl, zu merken, dass die Spieler von unseren Aktionen und Liedern während des Spiels etwas mitkriegen und sogar ihre „Lieblingslieder“ haben.

Zu unserem Namen „Selected Boys“ kamen wir erst im September 2008, also rund 3 Monate nach Gründung. Am Anfang nannten wir uns noch „Ultras Schleswig“, was im Nachhinein wohl eher der unbedingte Wunsch war, eine namentliche Verbindung zu Bundesligakurven herzustellen, da viele mit dem Namen „Ultras“ nur die bekannten Szenen in Verbindung bringen. Viele wissen gar nicht, was hinter Ultrà steht und finden es einfach unbegreiflich, dass so eine kleine Gruppe auch Ultrà ist. Denkt man aber an die Anfänge von Ultrà zurück, wird man das gleiche Bild haben. Damals noch hauptsächlich in Italien kämpften ebenfalls kleine Gruppen nicht gegen Kommerz und Repressionen, sondern sie liebten und lebten ihren Verein nach allen Freiheiten. Sie waren einfach sie selbst und zeigt ihre Leidenschaft auf einen der emotionalsten Wege.

Das bringt mich zum nächsten Punkt und der Frage, ob wir denn nun Ultras sind oder nicht. Das Problem, welches Leute
mit dem Begriff haben, ist vor allem, dass man als Ultra ja wohl mindestens 18 Jahre alt und in schwarz gekleidet sein muss. Generell sind Ultragruppen immer mindestens 50 Personen, die gerne randalieren, und was soll Ultrà überhaupt auf dem Amateursportplatz ?! Da uns diese ständige Diskussion einfach nur störte, entschieden wir uns, uns von dem Namen Ultras zu lösen mit all den Erwartungen und Vorurteilen. Doch was wir machen, sehen wir persönlich näher an der Materie Ultrà als in den meisten Stadien der Bundesliga.

Aber wir haben auch schon viele Fehler gemacht. Besonders, wenn man mit Gruppen „Feindschaften“ anfängt, obwohl sie genau das gleiche Ziel vor Augen haben wie wir. Aus diesen Fehlern haben wir gelernt, die uns in der Zukunft nicht mehr geschehen werden und aus denen wir wertvolle Schlüsse gezogen haben.

Thema Politik. Da wir finden, Politik sollte nicht das Auftreten der gesamten Gruppe beeinflussen oder irgendeinen ausgrenzen, und wir auch nicht wieder in Schubladen gesteckt werden möchten, gibt es keine feste aufgezwängte Gruppenmeinung. Natürlich sind wir ganz klar gegen jede Form von Rassismus, Sexismus und Homophobie. Sollten wir mitbekommen, wie sich Leute auf dem Sportplatz oder anderswo diesbezüglich daneben benehmen, werden wir energisch dagegen vorgehen!

Wie wird es in Zukunft weitergehen? Nun, wir hatten letzten Sommer einen Kreis von etwa 20, ab und an sogar 25 Personen im Alter von 15-20 Jahren geschaffen, der über die Sommerpause auf 15 Jugendliche sank. Natürlich wollen wir diese Leute zusammenhalten, auch neue Gesichter werden gerne gesehen. Wir werden weiter unseren Weg gehen, auch wenn wir mal, wie schon erwähnt, Fehler machen, denn auch daraus können wir lernen.

Amateursport allez!

Selected Boys im Februar 2010